„Das hat für uns zentrale Bedeutung“ - Pater Dehon bald seliggesprochen?

Der Seligsprechungsprozess von Pater Leo Dehon, dem Ordensgründer der Herz-Jesu-Priester, wurde 2005 im letzten Moment gestoppt. Jetzt soll ein eigens gegründetes Komitee Bewegung in die Angelegenheit bringen. Für die Dehonianer ist das eine wichtige Angelegenheit.

Pater Dehon im Jahr 1865 als 22-jähriger Seminarist. (c) SCJ-Archiv

Nahe dran war es, aber eben nicht ganz dran: Beim vergangenen Generalkapitel in Rom stand eine Audienz bei Papst Franziskus auf dem Programm. Der Heilige Vater würdigte den Einsatz der Dehonianer und bedankte sich bei ihnen. Dann sprach Franziskus von ihrem Ordensgründer und nannte ihn: den „Quasi-Seligen Pater Dehon“. Damals, im August 2015, lachten die Audienzteilnehmer sehr herzlich. Tatsächlich aber ist das, worauf Franziskus anspielte, für die Dehonianer eine ernste Sache.

Es geht um den Seligsprechungsprozess ihres Gründers und den Fakt, dass dieser 2005 gestoppt wurde. Und der jetzt durch ein eigenes Komitee wieder aufgenommen und möglichst zu einem Abschluss gebracht werden soll, ohne jeglichen Zeitdruck allerdings. Pater Fernando Rodríguez Garrapucho SCJ, verantwortlicher Koordinator des Komitees, erklärt: „Wir müssen auch selbstkritisch sein und uns sagen, dass wir die Figur Pater Dehons nicht genug bekannt gemacht haben, mit seiner theologischen und sozialen Brillanz.“ Das soll sich nun ändern. Und genau zu diesem Zweck hat die neue Generalleitung, die damals auf dem Kapitel gewählt wurde, ein Komitee initiiert, das die Arbeiten für den Prozess neu aufnehmen soll. Oberstes Ziel: Es soll nun kontinuierlich daran gearbeitet werden, bestimmte Widersprüche aufzuarbeiten, zu beantworten und auszuräumen.

„Wir haben die Figur Dehons nicht genug bekannt gemacht“

Einen eigenen Verantwortlichen, der sich der Causa Dehon angenommen hatte, gab es bereits die ganze Zeit, zuletzt kümmerte sich Pater José Carlos Briñón SCJ darum, als Postulator der Kongregation zuständiger Ansprechpartner für alle Selig- und Heiligsprechungsprozesse von Dehonianern. Das neue Komitee kümmert sich jetzt allerdings ausschließlich um den Seligsprechungsprozess des Gründers, das allein zeigt die bereits die Wichtigkeit des Ganzen. Im Jahr 2005 war jener Prozess, der schon weit durch die vatikanischen Instanzen gegangen war, gestoppt, nachdem Vorwürfe vor allem von französischer Seite aufgetaucht waren. Die Kongregation wiederum leugnete nie, dass es in der Tat Stellen im Werk Dehons gebe, die heikel klingen. Doch jetzt soll mit dem neu geschaffenen Gremium überprüft und gezeigt werden, wie diese Passagen im Gesamten einzuordnen sind.

„Wir müssen den ganzen Prozess neu studieren und zeigen, dass die Vorwürfe, die erhoben worden sind, nicht zutreffen“, sagt Pater Garrapucho.“ Die Bemühungen des Komitees, das ist leicht zu erahnen, haben einen hohen Stellenwert für die gesamte Gemeinschaft der Herz-Jesu-Priester. Einmal, weil sie überzeugt sind, dass die Figur Pater Leo Dehons auch unserer Zeit einiges zu sagen hätte: „Dehon war ein moderner Mensch in dem Sinne, dass er Dinge wie Gerechtigkeit, sozialer Friede, aber auch Barmherzigkeit angesprochen hat. Insofern wäre es gerade für uns heute wichtig, wenn er offiziell als Seliger oder Heiliger geführt und damit auch verehrt würde. Wir glauben, dass das gut wäre für die ganze Kirche – nicht nur für uns als Ordensgemeinschaft“, meint Pater Garrapucho.

Aber natürlich hat der Prozess für die Kongregation noch einmal einen ganz besonderen Stellenwert. Erstens schon allein dadurch, dass sich im Zuge der neuen Aufarbeitung noch intensiver mit dem Gründer und seinem Werk auseinandergesetzt wird. Zweitens, weil damit auch eine weitere Facette der Anerkennung hinzukommt: „Durch die Seligsprechung erklärt die gesamte Kirche nicht nur seine Spiritualität, nicht nur seine soziale Arbeit, sondern die Figur Pater Dehons an sich als ein Modell christlichen Lebens. Das hat für uns zentrale Bedeutung.“

Seligsprechung und die Identität der Dehonianer

Der dritte Punkt ist in der heutigen Zeit ein mindestens ebenso wichtiger. Dabei geht es um Identität und um das Selbstverständnis der Gemeinschaft. Die Herz-Jesu-Spiritualität ist zentral für ihr geistliches Fundament und mit wesentlichen Elementen wie der Anbetung unverzichtbar für das geistliche und geistige Leben. Aber das zentrale Spezifikum, das, wodurch sich die Dehonianer von anderen schon auf den ersten Blick oder zumindest im ersten Gespräch unterscheiden, das ist etwas anderes: „Natürlich ist die Herz-Jesu-Verehrung Mitte unserer Spiritualität. Aber es gibt einige Gemeinschaften, die das Herz Jesu ins Zentrum stellen. Aber es gibt keine Gemeinschaft, die so
stark von der Figur, dem Wirken und den Gedanken Leo Dehons inspiriert ist und die die Herz-Jesu-Spiritualität in besonderem Maße mit den sozialen Werken und vor allem dem Einsatz und das Engagement für die Armen verknüpft. Das ist sicherlich ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal, das unsere Gemeinschaft besitzt und das wir immer wieder leben müssen.“

Das Komitee, das neben Pater Garrapucho noch aus den Patres Celson Altenhofen SCJ, Juan José Arnáiz Ecker SCJ und Célestin Tshimbundu Mukwende SCJ besteht und zunächst für drei Jahre bestellt ist, hat seine Arbeit bereits aufgenommen. Einen genauen Zeitplan, ein zeitliches Ziel gibt es
dabei allerdings nicht. Für Pater Fernando Rodríguez Garrapucho ist jetzt aber erst einmal vor allem eine Sache entscheidend: „Wir müssen so sorgfältig und gewissenhaft arbeiten, wie es nur geht. Für uns alle ist das eine große Chance. Und für mich persönlich bedeutet es eine tiefe Freude, meinen
Teil beizutragen, dass Pater Leo Dehon endlich so gewürdigt wird, wie er es verdient.“

Autor: Simon Biallowons. Dieser Text erschien in der vergangenen Ausgabe unserer Ordenszeitschrift „Dein Reich komme“

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