„Die Fastenzeit ermöglicht die Hoffnung auf ein neues Leben“

Nach den bunten Tagen des ausgelassenen Feierns hat5 der Aschermittwoch vergangene Wo-che die Karnevalszeit und die österliche Bußzeit eingeläutet. Warum die Fastenzeit 40 Tage lang dauert und welchen Sinn diese Zeit hat, das erklären Pater Konrad Flatau SCJ, Rektor des Herz-Jesu-Klosters Maria Martental und Frater Jean Bruno Razafimanantsoa SCJ aus der Ordensniederlassung in Freiburg.

 

Pater Hans-Ulrich Vivell spendet in der Klosterkirche des Herz-Jesu-Klosters Neustadt das Aschekreuz. (c) Nowak/scj

Am Aschermittwoch beginnen 40 Tage der Vorbereitung auf Ostern. „Die Zahl 40 bildet im Alten und im Neuen Testament eine Einheit. Es geht um eine Zeit des Reifens und des Wach-sens“, erklärt Pater Flatau. „40 Jahre zogen die Israeliten durch die Wüste, 40 Tage verbrachte Mose in der Gegenwart Gottes auf dem Berg Sinai, der Prophet Elija ging 40 Tage durch die Wüste zum Gottesberg Horeb und Jesus suchte nach seiner Taufe 40 Tage lang die Wüste auf, um zu beten und zu fasten und wurde dort versucht“, erklärt der Ordensmann weiter. Frater Razafimanantsoa ergänzt, dass „all diese Ereignisse die Gegenwart Gottes in Mitten seines Volkes reflektieren.“ Bei der Versuchung Jesu in der Wüste kämen die drei „Urversuchungen“ zum Vorschein, mit denen die Menschen sich konfrontiert sehen. Pater Flatau erläutert: „Satan versucht Jesus, aus Steinen Brot zu machen. Diese Versuchung steht für die Gefahr, wirtschaftliche Interessen in den Mittelpunkt allen Handelns zu stellen. In der zweiten Versu-chung schlägt Satan Jesus vor, sich vom Tempel zu stürzen, da Gott ihn behüten und ihm nichts zustoßen würde. Es ist eine Versuchung, sich selbst zum Übermenschen zu machen, sich an die Stelle Gottes zu setzen. In der dritten Versuchung zeigt der Satan Jesus alle Reich-tümer dieser Welt, die er Jesus geben würde, wenn dieser ihn nur anbete. Es ist eine Versu-chung, die den materiellen Besitz betrifft.“

Kein Patentrezept fürs Fasten

In der Fastenzeit geht es darum, sich wieder auf Gott zu besinnen. „Dies gelingt am besten in dreifacher Weise. Indem man sein Gebetsleben erneuert, indem man fastet – also Verzicht übt, und indem man gibt, das kann ein Almosen sein, aber auch konkrete Hilfsbereitschaft dem Nächsten gegenüber“, sagt Pater Flatau. Frater Razafimanantsoa findet es wichtig, dass man sich fragt: „Was hindert mich am meisten an einer guten Beziehung zu Gott? Wovon bin ich abhängig? Worauf sollte ich also verzichten? Finde ich im Alltag Zeit für ein kurzes Gebet?“ Jeder könne diese Fragen nur für sich selbst beantworten, daher seien die Vorsätze für die österliche Bußzeit auch ganz individuell. „Ich zum Beispiel werde mir vornehmen, weniger Zeit im Internet und stattdessen etwas mehr Zeit im Gebet zu verbringen“, sagt der junge Theologie-Student. Pater Flatau ist ebenfalls der Meinung, dass es viele Möglichkeiten gibt, diese Vorbereitungszeit zu gestalten: „Man könnte sich vornehmen, den Tag mit einem kurzen Morgengebet zu beginnen. Auch die Versöhnung mit Gott im Sakrament der Buße und die Versöhnung untereinander ist ein wichtiger Schritt auf Ostern zu.“

„Die Kirche lädt dazu ein, die österliche Bußzeit bewusst zu nutzen“

„In der Fastenzeit meditiert man das Leben, Sterben und die Auferstehung Jesu“, sagt Frater Razafimanantsoa. „Die Fastenzeit ist eine Übung der Freiheit, man lässt alte Gewohnheiten hinter sich. Gleichzeitig sollte man sich nicht entmutigen lassen, wenn man seine Vorsätze einmal nicht halten kann. Es ist wie ein Training, deshalb sollte man dann gleich neu anfan-gen“, rät Pater Flatau. Es lohne sich diese Vorbereitungszeit, zu der die Kirche einlädt, be-wusst zu vollziehen, denn hinter der Fastenzeit verberge sich das dreifache Liebesgebot: Gott, den Nächsten und sich selbst zu lieben. Dies könne gelingen, wenn man durch das Gebet die Beziehung zu Gott erneuert, sich durch das Fasten von schlechten Gewohnheiten löst und sich durch Werke der Nächstenliebe seinen Mitmenschen zuwendet.

Text: Regina Maria Schwarz

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