Mai, Maria und die Mutter Gottes

Im Mai zieren besonders viele Blumen die Marienbilder und prächtige Blumenarrangements schmücken die Marienstatuen in den Kirchen. Gläubige kommen zu feierlichen Maiandachten zusammen, denn der Mai gilt als Marienmonat. Welche Rolle dieser Monat bei jungen Menschen spielt und wie wichtig Marienfrömmigkeit für ihre eigene Spiritualität ist, das erzählen Pater Ricardo Diniz SCJ, Schulseelsorger in Handrup, und Pater Andreas Pohl SCJ aus Maria Martental.

Das Gnadenbild in Maria Martental. (c) Nowak/scj

„Als Brasilianer vergleiche ich oft, wie ich etwas in Deutschland erlebe und, wie ich es aus Brasilien kenne“, sagt Pater Ricardo Diniz. So werde in Brasilien jedes Wochenende im Mai besonders gefeiert. „Hier in Deutschland fällt mir auf, dass in den Gottesdiensten viele schöne Marienlieder gesungen werden. Ich greife die schönen und tiefen Texte manchmal in der Predigt auf. Diese Woche darf ich die Hl. Messe bei einer Goldenen Hochzeit zelebrieren. Das Ehepaar hat sich ausdrücklich einige Marienlieder gewünscht, da sie im Mai geheiratet hatten“, berichtet der Ordensmann. Während der Messe will er über die Hochzeit zu Kana sprechen. Maria sieht, dass dem Brautpaar der Wein ausging und beschließt, ihren Sohn Jesus auf die missliche Lage aufmerksam zu machen. „Maria sieht die Not und wendet sich als Fürsprecherin an ihren Sohn. Hier wird sehr schön deutlich, welche Rolle Maria bis heute in unserem Leben spielen kann“, findet der Herz-Jesu-Priester.

Jugendliche kennen oft das „Ave Maria“ nicht mehr


Allerdings ist ihm aufgefallen, dass der Marienmonat Mai für die Jugendlichen in seinem Umfeld keine so große Bedeutung mehr hat. „Ich wollte einen Besinnungstag für Schüler zum Thema Maria halten“, berichtet Pater Ricardo. Dabei musste er aber schnell ein anderes Thema wählen, „weil die Kinder und Jugendlichen damit nicht viel anfangen konnten.“ Das ‚Vaterunser‘ kennen viele junge Leute noch, das ‚Ave Maria‘ allerdings können viele von ihnen schon nicht mehr, lautet seine Erfahrung. „Ich hatte den Marienmonat den jungen Menschen gegenüber nicht thematisiert, weil diese Art der Marienfrömmigkeit für mich so selbstverständlich ist“, gibt sich der Ordensmann nachdenklich. Vielleicht, so überlegt er, wäre es gut, speziell für Jugendliche eine Maiandacht oder etwas zum Thema Marienfrömmigkeit anzubieten. Als Schulseelsorger habe er dazu die Möglichkeit. „Wenn ich es nicht mache, dann macht es keiner“, ist Pater Ricardo Diniz überzeugt.

Pater Diniz selbst hat einen engen Bezug zur Gottesmutter: „Sie spielt in meinem Leben eine große Rolle.“ Oft bete er ein bis zwei „Ave Maria“ zwischendurch. „Ich glaube daran, dass sie ein Zugang zu Jesus ist.“ Und als solche helfe sie als Fürsprecherin. In Maria Martental, einem jahrhundertealten Marienwallfahrtsort, in der Pater Pohl Zuhause. Hier wird oft die Fürsprache der Muttergottes häufig erbeten. Pater Pohl ist mit dem Rosenkranzgebet aufgewachsen. „Dieses Gebet hat mich durch alle Phasen meines Lebens gut getragen. Für diese Erfahrung bin ich sehr dankbar“, erzählt er. Auch Pater Ricardo in Handrup betet Rosenkranz: jeden Montag gemeinsam mit denjenigen, die anschließend zur Hl. Messe kommen.

Maria und die Ordensmänner


Wenn im Mai die Marienbilder in den Kirchen festlich geschmückt sind und sich mildere Temperaturen langsam durchsetzen, stellt sich für viele Leute aus der Eifel an den Wochenenden die Frage nach einem schönen Ausflugsziel. Maria Martental bietet die Möglichkeit, einen Ausflug in malerische Landschaft mit einer Wallfahrt zu verbinden, weiß Pater Pohl. Die eigenen Anliegen im Vertrauen auf ihre Fürsprache zur Gottesmutter zu tragen, Ruhe und Erholung finden und sich anschließend bei einer guten, aromatisch duftenden Tasse Kaffee und einem leckeren Stück Kuchen verwöhnen lassen. Wer es lieber deftig mag, kann in der gerade neu eröffneten „Martentaler Gastronomie“ des Pilgerzentrums auch zu Mittag einkehren. Fast wie bei der Hochzeit zu Kana.

Text: Regina Maria Schwarz

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